Zu seinem Werk

Lehrjahre 1948 – 1960

Em­me­rich be­ob­ach­te­te, schau­te und sah. Mit we­ni­gen, mar­kan­ten, kräf­ti­gen Stri­chen fing er Per­so­nen und de­ren Cha­rak­te­re ein. Die­se ge­zeich­ne­ten Por­traits fie­len auf und er wur­de be­reits früh zu ei­ner re­gio­na­len Be­rühmt­heit. Die Ein­drü­cke sei­ner vie­len Rei­sen hielt Em­me­rich in zahl­rei­chen Zeich­nun­gen fest, mal in Tu­sche oder Blei­stift, mal mit Filz­stift. Lan­ge, kräf­ti­ge, durch­ge­hen­de Li­ni­en wa­ren sein Mar­ken­zei­chen. Hier er­kennt man noch den Ein­fluss He­ckels und des Fau­vis­mus. Bei sei­nen Öl­bil­dern do­mi­nie­ren kräf­ti­ge Far­ben, die er mit schwung­vol­lem Duk­tus auf die Lein­wand bringt. Be­stärkt durch sei­ne Er­fah­run­gen im Krieg set­ze er sich in sei­ner frü­hen Pha­se in­ten­siv mit dem Nach­ex­pres­sio­nis­mus und Sur­rea­lis­mus aus­ein­an­der. Er be­kam ers­te öf­fent­li­che Auf­trä­ge für Wand­bil­der und Fres­ken.

Sturm und Drang 1958 – 1963

Durch die Be­schäf­ti­gung mit dem In­for­mel be­gann Em­me­rich zu ex­pe­ri­men­tie­ren. Tak­ti­le, vi­su­el­le, akus­ti­sche Rei­ze, die von den Ma­te­ria­li­en aus­gin­gen ver­such­te er in sei­nen Wer­ken um­zu­set­zen. Da­bei lös­te er sich von der Zwei­di­men­sio­na­li­tät und ex­pe­ri­men­tier­te mit Col­la­gen und Skulp­tu­ren. So, wie in sei­nen Bil­dern an­fäng­lich die Fi­gu­ra­ti­on im Zen­trum sei­nes Œuvres stand, fin­det man die­se auch in sei­nen Skulp­tu­ren. Ei­nen Schwer­punkt in sei­nem skulp­tu­ra­len Werk bil­den Fund­stü­cke. Da­bei kon­kur­rie­ren Ge­fun­de­nes aus Na­tur und In­dus­trie nicht, son­dern ent­spre­chen und er­gän­zen sich: kor­re­spon­die­ren mit­ein­an­der. Vie­le Zeich­nun­gen zei­gen Struk­tu­ren, Räu­me, die sich öff­nen, ver­schlie­ßen und in­ein­an­der­grei­fen. Fa­bel­we­sen, die aus den Bil­dern den Be­trach­ter fi­xie­ren. Em­me­rich ex­pe­ri­men­tiert auch mit den Ma­te­ria­li­en für sei­ne Ma­le­rei und Zeich­nun­gen; Öl, Was­ser­far­ben, Tu­sche, Krei­de, Kaf­fee, Rot­wein, was zur Hand war wur­de be­nutzt. Die­se un­ru­hi­ge Su­che wird auch in sei­nen Ar­bei­ten sicht­bar. Fi­gu­ra­ti­on und Abs­trak­ti­on, stän­di­ge Me­ta­mor­pho­sen durch­zie­hen sei­ne Bil­der, Tie­re und Pflan­zen ver­wan­deln sich zu Men­schen und um­ge­kehrt.

Etablierung in Mannheim 1963 – 1975

Mit der Lust am Ex­pe­ri­ment tritt die Fi­gu­ra­ti­on in den Hin­ter­grund, schwin­det teil­wei­se so­gar ganz aus sei­nen Bil­dern. Ob­wohl der Mensch in sei­nen Bil­dern zu­neh­mend zu­rück­tritt, ist er den­noch nicht ab­we­send. Denn im Ge­gen­satz zum In­for­mel ging es Em­me­rich nie um l´art pour l´art, son­dern der Mensch in sei­ner Kom­ple­xi­tät und mit sei­nen Wi­der­sprü­chen stand im Fo­cus sei­ner Ar­bei­ten.

Zwischen Griechenland und Mannheim 1975 – 1999

Em­me­rich schuf in sei­ner ge­sam­ten Zeit im­mer wie­der Zeich­nun­gen ei­nes har­mo­ni­schen Er­le­bens sei­ner Um­welt. Be­son­ders oft hielt er sei­ne Fa­mi­lie fest, beim Ba­den in Frank­reich, beim Le­sen in Ita­li­en oder ei­nem Au­gen­blick zu Hau­se. Die ihn um­ge­ben­de Land­schaft fing er mit kur­zen si­che­ren Bli­cken ein. Da­bei dien­ten die­se Zeich­nun­gen für ihn nie als Skiz­zen, son­dern ste­hen eben­bür­tig ne­ben sei­nem ma­le­ri­schen und skulp­tu­ra­len Œuvre. Zwi­schen 1984 und 1986 – in sei­ner Zeit in Mann­heim – ver­ar­bei­te­te er Fund­stü­cke in dem Zy­klus der Schwa­nen­fe­dern. Mit leich­ter Hand zau­ber­te er mit Tu­sche fra­gi­le We­sen aufs Pa­pier, wel­che aus ei­ner an­de­ren Welt zu kom­men schei­nen.

Em­me­rich ex­pe­ri­men­tier­te im­mer mit Fund­stü­cken. Da­bei ent­stan­den in­ter­ak­ti­ve Skulp­tu­ren. Mit den Fund­stü­cken ent­stan­den Ma­schi­nen, die sich er­wei­ter­ten, ver­ban­den und in ei­ne neue Form trans­for­miert wur­den. In den 1990er Jah­ren wur­den Em­me­richs Skulp­tu­ren im­mer grö­ßer bis zur Mo­nu­men­ta­li­tät, wie die Ar­beit im Mann­hei­mer ABB Werk. Da­bei ver­ar­bei­te­te er auch hier Ab­fall­pro­duk­te, dies­mal der in­dus­tri­el­len Pro­duk­ti­on.

Em­me­rich be­schäf­tig­te sich durch­ge­hend mit Land­schaft, in der Zeit von 1975 bis 1982 haupt­säch­lich mit grie­chi­scher Land­schaft und de­ren Ge­ni­us lo­ci. Da­bei hielt er ei­ne Land­schaft fest, die ar­cha­isch an­mu­tet und ei­ne ei­ge­ne Kraft aus­strahlt. Selbst im schein­bar rein Na­tu­rel­len, los­ge­löst vom Men­schen, ver­wei­sen die Ar­bei­ten Em­me­richs auf das Sein, ver­wei­sen auf Brü­che und Nar­ben und ei­ne In­ne­re Kraft.

Ab 1979 bis 1986 setz­te er sich in Ta­ge­buch­form mit sich selbst und dem Er­leb­ten aus­ein­an­der und er­ar­bei­te­te ei­ne Bil­der­rei­he, die er Chif­fren nann­te. Aus­zü­ge aus sei­nem Ta­ge­buch wur­den in Bil­der for­mal und äs­the­tisch ein­ge­bun­den und mit Fund­stü­cken ver­se­hen. Der Text tritt da­bei in den Hin­ter­grund, ist nur noch frag­men­ta­ri­scher Ver­weis. Skrip­tu­ra­le Zei­chen tre­ten mit Farb­flä­chen in ei­nen Dis­kurs und ver­deut­li­chen da­durch den emo­tio­na­len Stand­punkt. Ro­man­ti­sche Blau­tö­ne, schmut­zi­ge Gelb­tö­ne und leuch­ten­de Abend­far­ben aus de­nen sil­ber­ne Re­flek­tio­nen her­vor­blin­zeln, ver­mit­teln ei­ne ge­lös­te Stim­mung.

Der Men­schen­zy­klus von 1977 bis 1989 rückt den Men­schen auch for­mal wie­der auf die Lein­wand. Nicht nur in Frag­men­ten, son­dern als Ge­samt­dar­stel­lung. Das mensch­li­che We­sen bleibt das zen­tra­le Bild­the­ma in sei­nem Œuvre. In Grie­chen­land por­trä­tier­te Em­me­rich Men­schen, die noch der Ge­walt der Na­tur und ih­rer pa­tri­ar­cha­li­schen Welt un­ter­wor­fen wa­ren. In Mann­heim bann­te er sie ein­zeln und zu­sam­men auf groß­for­ma­ti­ge Lein­wän­de. Teil­wei­se wer­den die Per­so­nen frag­men­ta­risch an­ge­ris­sen, teils be­fin­den sich meh­re­re Fi­gu­ren auf ei­nem Bild. Durch die an­ge­wen­de­te La­s­ur­tech­nik wir­ken die hoch­for­ma­ti­gen Bil­der sehr trans­pa­rent und leicht, im Kon­trast zu dem dar­ge­stell­ten The­ma: Den Ma­nio­ten, wel­che Stolz und Stär­ke im Kampf um das Über­le­ben aus­strah­len.

Wie in sei­nem ge­sam­ten Werk bil­det die Zeich­nung die Ba­sis sei­ner Bil­der. Bei den zwi­schen 1984 und 1990 ent­stan­de­nen As­sem­bla­gen ver­bin­det er die Zeich­nung nicht nur mit Far­be, son­dern mit Kron­kor­ken, Sei­len, Me­tall­plat­ten, Do­sen und Do­sen­ver­schlüs­sen. Auf den ers­ten Blick er­schei­nen die Bil­der fast fröh­lich bis man sich auf die ge­zeig­ten Fi­gu­ren ein­lässt. Sie ver­mit­teln ei­ne ge­wis­se Trau­rig­keit, selbst die Do­sen­ver­schlüs­se, ein Sym­bol der Kon­sum­ge­sell­schaft, wir­ken durch ih­re sil­ber­nen Licht­re­fle­xio­nen fast wie Trä­nen.

Bei der rein abs­trak­ten Se­rie, die er von 1991 bis 1993 mal­te, do­mi­nie­ren dunk­le Farb­tö­ne: schwarz, grau und blau. Weiß wird als ex­plo­si­ver Kon­trast ein­ge­setzt. Der Mensch ist in die­ser Se­rie nicht sicht­bar, nur die Kon­se­quenz sei­nes Han­delns. Be­ein­flusst vom zwei­ten Golf­krieg, schuf Em­me­rich Bil­der, in de­nen er Zer­stö­rung und Leid ein­fing.

Die letzten Jahre 1995 – 1999

Im Jahr 1994 er­krank­te Fred Em­me­rich. Ei­nen letz­ten groß­for­ma­ti­gen Zy­klus mal­te er zwi­schen 1995 und 1996. Die­se groß­for­ma­ti­gen grau-blau­en Bil­der strah­len ei­ne fried­li­che Ru­he aus. Meist Ak­te oder Halbak­te, die sich zu ei­ner be­son­de­ren Ver­traut­heit und da­mit Ver­letz­lich­keit öff­nen.

Be­reits ein Jahr nach sei­ner Er­kran­kung war es ihm nicht mehr mög­lich mit Far­be zu ar­bei­ten. So er­setz­te er die Öl­far­be durch Öl-Krei­de und zeich­ne­te. Mit kräf­ti­gen Stri­chen ent­stan­den re­du­zier­te, sehr au­then­ti­sche klein­for­ma­ti­ge Zeich­nun­gen, mit de­nen er sein in­ten­si­ves Er­le­ben der Krank­heit fest­hielt.